Zugeschüttet, vergessen und wiedergefunden – Die alte Freiarche Ruhlsdorf
Bis zum Jahr 1914 stellte der Finowkanal die einzige schiffbare Wasserstraße im Raum Eberswalde zwischen Havel und Oder dar. Um die Stauregulierung und die Hochwasserabfuhr in den einzelnen Kanalabschnitten sicherstellen zu können, befand sich parallel an jedem Schleusenstandort eine Freiarche (Wehr), über das das überschüssige Wasser ablaufen konnte.
Durch den Bau des Großschifffahrtsweges Berlin-Stettin, dem heutigen Oder-Havel-Kanal, wurde die Stauregulierung der Wasserstraße neu konzipiert, der Finowkanal zur Wasserstandregulierung nicht mehr benötigt und in der Folge das Wehr in Ruhlsdorf in den 1920-er Jahren zugeschüttet. Mit der Zeit geriet das Bauwerk in Vergessenheit, die Wasserläufe wurden mit Bauschutt verfüllt, es wuchs reichlich Vegetation auf der Fläche und lediglich ein Altarm des Klanfließ deutete auf die andere Gewässerführung zu früheren Zeiten hin.
Schleusen Ruhlsdorf um 1882 mit Freiarche, Quelle WSA Oder-Havel
das wiedergefundene Wehrbauwerk in 2022
Um die erste Kanalstufe des Finowkanals während der Grundinstandsetzung der Schleuse weiterhin mit Wasser versorgen und ein Trockenfallen vermeiden zu können, war die Herrichtung einer bauzeitlichen Wasserüberleitung erforderlich. Im Zuge der Vorbereitungsmaßnahmen ist man dann durch Zufall auf die in keinem Planwerk verzeichneten aber gut erhaltenen Überreste des alten Wehres von 1882 gestoßen, die dann in Teilen archäologisch freigelegt und dokumentiert wurden.
Um das Bauwerk vor weiteren Beschädigungen zu schützen und das Gerinne dennoch für die Baumaßnahmen reaktivieren zu können, wurde in das alte Wehr ein Stahlrohr eingeschoben und wieder alles verfüllt. Somit erfolgt nach rund 100 Jahren Dornröschenschlaf jetzt wieder die Wasserzufuhr über diesen Umfluter.
Beim Aushub des erforderlichen Grabens sind neben großen Mengen Ziegelschutt aus einer früheren Instandsetzung der noch in Betrieb befindlichen Schleuse auch zahlreiche Granitformsteine gefunden worden, die ursprünglich mal die Ecken der Schleusenkammer vor Schiffsanprall schützten und durch Beton ersetzt wurden. Derzeit wird geprüft, ob ein Teil der geborgenen Steine für den Wiederaufbau der Schleuse genutzt werden kann.